Der folgende Artikel zeigt, wie sich ein IT-Dienstleister erfolgreich als Verbindungsglied zwischen Maschinenbau und Anlagenbetreiber positionieren kann.
Fernwartung hatten wir nicht auf dem Schirm

Wer an ein klassisches IT-Systemhaus denkt, bringt das in der Regel nicht mit der Fernwartung von Maschinen und Anlagen in Verbindung. Der Aufbau einer Infrastruktur zur Fernwartung hat jedoch mehr Parallelen zur Informationstechnik als man auf den ersten Blick vermutet. Der folgende Artikel zeigt, wie sich ein IT-Dienstleister erfolgreich als Verbindungsglied zwischen Maschinenbau und Anlagenbetreiber positionieren kann.

 

Systemhäuser sind Dienstleister, die in der Regel betriebsfertige Komplettlösungen und Services für IT-Anwendungen anbieten. Ein solcher Dienstleister ist die 2007 gegründete performio GmbH. Das Tätigkeitsfeld des Unternehmens mit Stammsitz in Mannheim und einer Außenstelle in München umfasst die Betreuung, Beratung, Konzeption und Realisierung moderner und ausfallsicherer IT-Konzepte. Heute betreuen 15 Mitarbeiter/innen die Netzwerk-Infrastruktur und die IT-Systeme für europaweit operierende mittelständische und große Unternehmen.

Einer dieser Kunden ist Sonoco, ein internationaler Konzern, der Produkt- und Schutzverpackungen für Industrie- und Konsumgüter in mehreren Produktionsstätten herstellt. Sonoco hat sich vor einigen Jahren für die Fernwartungslösung von MB connect line entschieden. Für die Betreuung der einheitlichen Fernwartungsinfrastruktur und die Anbindung neuer Maschinen wurde ein Dienstleister gesucht, um die eigene IT-Abteilung zu entlasten. „Fernwartung von Produktionsanlagen hatten wir zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich auf dem Schirm. Das war für uns eine andere Welt“, blickt Max Mäder, Geschäftsführer von performio, zurück. Er erläutert weiter: „Nach kurzer Zeit war klar, dass für den Aufbau und Betrieb einer sicheren Fernwartungsinfrastruktur ähnliche Voraussetzungen hinsichtlich Security und Compliance gelten wie in der IT“.

 

Fernwartung als Basis

Das Thema Fernwartung wurde lange Zeit aus Sicht der Maschinen- und Anlagenbauer vorangetrieben. Das ursprüngliche Hauptziel war die Einsparung von Reisekosten während der Gewährleistungsphase. Zwischenzeitlich bieten viele Maschinenbauer zusätzliche Services an, beispielsweise die schnelle Unterstützung im Falle von Störungen im Rahmen eines Wartungsvertrags. Die zunehmende Verbreitung von Fernwartung führte bei den Anlagenbetreibern zu einer unübersichtlichen Systemvielfalt. Die Maschinenlieferanten bevorzugten jeweils verschiedene Systeme, die mehr oder weniger Aufwand in der IT-Abteilung der Produktionsbetriebe verursachten.

Sonoco hat das Problem der Vielfalt dadurch gelöst, dass sie sich für den Systembaukasten von MB connect line entschieden hat, den sie jedem Maschinenlieferanten vorgeben. „Das ist prinzipiell nichts Neues. Auch bei der Steuerungstechnik geben die Anlagenkäufer häufig vor, welcher Hersteller bzw. welches System eingesetzt werden muss“, bringt es Ingo Hübner, verantwortlich für die Logistik bei performio, auf den Punkt. Bei jeder neuen Maschine oder Anlage für Sonoco ist die Ausstattung mit einem Industrie-Router mbNET obligatorisch.

 

Dienstleister als Verbindungsglied

Jetzt kommt performio als Dienstleister ins Spiel. Das Systemhaus ist zentraler Ansprechpartner sowohl für die Werkleitung und die IT-Abteilung der Produktionsunternehmen als auch für die Maschinenbauer. Standardisierte Prozesse sorgen dafür, dass der Informationsfluss jederzeit nachvollziehbar ist. Das hält den Aufwand aller Beteiligten niedrig. Die Daten wie Maschinenstandort, IP-Adresse, Gateways und Ansprechpartner werden im Vorfeld anhand einer Checkliste erfasst. Die standardisierte Vorgehensweise sorgt dafür, dass zur Inbetriebnahme alle relevanten Daten vorhanden sind.

Das Systemhaus hat alle gängigen Router am Lager, um schnell reagieren zu können. Sie werden auftragsbezogen konfiguriert und direkt an die Maschine geliefert. Parallel dazu wird der Zugang zum Remote-Service-Portal mbCONNECT24 eingerichtet. Darüber können die Service-Mitarbeiter des Maschinenbauers die Kundenmaschine per Mausklick erreichen. Je nach Kundenwunsch läuft das Remote-Service-Portal mbCONNECT24 im Rechenzentrum des Anlagenbetreibers oder bei performio.

Mit der Einrichtung und Verwaltung der Fernwartungsinfrastruktur übernimmt performio die Aufgaben, die weder beim Anlagenbetreiber noch beim Maschinenbauer zum Kerngeschäft gehören. Der Maschinenbauer muss sich nicht um IP-Adressen und Port-Freischaltungen kümmern. Er bekommt einen sicheren und funktionierenden Fernwartungszugang zu einem kalkulierbaren Betrag. Sollte es doch einmal irgendwo haken, hat er bei performio ein 24/7-Supportteam, welches das Problem löst. Der Anlagenbetreiber hat den Vorteil, dass er mit performio einen Ansprechpartner hat, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Das entlastet seine eigene IT-Abteilung.

 

Standardisierte Prozesse

Zwischenzeitlich hat sich aus dem anfänglichen Kundenprojekt bei Sonoco ein neues Geschäftsfeld entwickelt, in dem das Systemhaus erfolgreich tätig ist. Ein Teil des Erfolgs beruht auf dem modularen Fernwartungsbaukasten von MB connect line. „Die Lösung bietet ein sehr hohes Sicherheitsniveau, ist entsprechend zertifiziert, einfach in der Anwendung und skalierbar. Was mit vier Routern funktioniert, funktioniert auch mit 400 Routern“, fasst Max Mäder zusammen und erklärt weiter: „Zudem haben wir äußerst geringe Downtimes und im Zweifelsfall einen direkten Kontakt in die Entwicklungsabteilung von MB connect line“. Zudem gibt es für nahezu jede Infrastruktur vor Ort einen passenden Router. Maschinenseitig sind die gängigen Industrie-Schnittstellen und -Protokolle wie beispielsweise Profibus und Modbus verfügbar.

Der zweite wesentliche Punkt ist, dass sich die Vorgehensweise zur Einrichtung der Fernwartung sehr gut vereinheitlichen lässt. Die im IT-Umfeld üblichen Standardprozesse vereinfachen die Arbeitsweise und helfen dabei, Fehler zu vermeiden. „Die Vorgabe von Standards hilft uns auch in der Fernwartung, die Systemarchitektur effizient zu gestalten“, berichtet Marko Bosch, Key Account Manager bei performio. Jeder Schritt wird dokumentiert und lässt sich später bei Bedarf nachvollziehen.

Monitoring

Das Systemhaus überwacht die Netzwerk- und Fernwartungssysteme rund um die Uhr und sorgt für eine dauerhafte Verfügbarkeit über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage. Störungsmeldungen werden dokumentiert und je nach Zuständigkeit an die lokale IT-Abteilung, das Wartungspersonal an der Anlage oder an den Maschinenbauer weitergeleitet. Es lassen sich auch temporäre Maschinenzugänge für Dritte einrichten, falls ein externer Service-Spezialist einen bestimmten Sachverhalt online anschauen soll.

Die Dreiecksbeziehung Maschinenbauer-Endanwender-Dienstleister ermöglicht eine optimale Arbeitsteilung, bei der sich jeder Beteiligte nur innerhalb seiner Kernkompetenz bewegt. Die IT-Abteilung des Produktionsbetriebs wird nur kontaktiert, wenn es sich wirklich um ein IT-Thema handelt. Der Maschinenbauer kann sich auf einen schnelleren und zielgerichteten Service verlassen und muss nicht warten, bis der IT-Administrator Zeit hat. Der Dienstleister hat engen Kontakt zu beiden Partnern und kann Fragen jeweils schnell klären.

 

Erweiterte Services

Die Kunden erhalten mit dem Remote-Service-Portal mbCONNECT24 und den Industrie-Routern ein komplettes Paket zur Digitalisierung über Unternehmensgrenzen hinweg. Die Fernwartung mit der schnellen Reaktion und Unterstützung bei Störungen ist derzeit noch die Hauptanwendung für Online-Zugänge bei Maschinen und Anlagen. Das ist auch kaufmännisch darstellbar, indem betrachtet wird, welche Kosten der Maschinenbauer durch die Online-Möglichkeiten einspart. Allerdings werden die vielfältigen Möglichkeiten der Datenerfassungen zunehmend genutzt – um beispielsweise Produktionsdaten und Stillstandszeiten in ERP-Systemen wie Navision oder SAP zu übernehmen. Weitere Möglichkeiten sind die Verschleißerkennung und der rechtzeitige Versand von Ersatzteilen durch den Maschinenbauer im Rahmen von Wartungsverträgen. Verschiedene Daten über die Nutzung einer Maschine können dem Maschinenbauer wichtige Hinweise zur Weiterentwicklung seines Produkts geben. Neue Geschäftsmodelle wie die Abrechnung über die Nutzung und Auslastung lassen sich realisieren, wenn die entsprechenden Daten verfügbar sind.

Mit seinem Expertenwissen kann performio Maschinenbauer und Endkunden gleichermaßen beraten. Das Verständnis für beide Welten ermöglicht es, die unterschiedlichen Anforderungen auf einen Nenner zu bringen. Über die Fernwartung amortisiert sich die Installation des Systems, das gleichzeitig eine ausgereifte Basis für datengetriebene Zukunftstechnologien ist.

 

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youtu.be/xqzS9Y3u-nU